Fakultät Informatik

GLASSCHAIR - Get Mobile. Independently.

Mobilität stellt einen unverzichtbaren und scheinbar selbstverständlichen Bestandteil des alltäglichen Lebens dar. Tatsächlich können sich jedoch viele Menschen nur eingeschränkt und nur durch außenstehende Hilfe fortbewegen.  GLASSCHAIR beseitigt diese Abhängigkeit und schafft als Google Glass Applikation zur Steuerung von Rollstühlen mittels Kopfbewegung eigenständige Mobilität. 

Als Projekt an der Fakultät für Informatik der TU München gestartet, wird GLASSCHAIR ab sofort von den Initiatoren Dominik Schniertshauer, Shady Yacoub und Claudiu Leverenz als Start-Up weiterverfolgt. 

Mobilitätsprobleme im Fokus der Forschung

GLASSCHAIR startete als Studentenprojekt des Entwicklungspraktikums “Mobility Services” im Wintersemester 2014/2015, das am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik (Prof. Krcmar) der TU München von Dr. Michael Schermann, Thomas Köhn und Christopher Kohl angeboten wird. Die Aufgabe: Die Studenten sollten in Teams Mobilitätsprobleme identifizieren und unter dem Einsatz von Smart Glasses lösen.

Verletzungen an der Wirbelsäule, Verlust von Gliedmaßen oder Krankheiten wie Parkinson und Multiple Sklerose betreffen Menschen aus allen Bevölkerungsschichten weltweit. Damit einhergehende Lähmungserscheinungen können zu einer starken Einschränkung der Gliedmaßen oder deren vollständiger Lähmung führen. Die selbstständige Bedienung eines elektrischen Rollstuhls ist in solchen Fällen oft unmöglich, da herkömmliche Steuerungen meist händisch bedient werden müssen. Eine eigenständige Fortbewegung und Flexibilität ist somit nicht mehr gegeben und führt stattdessen zu einem hohen Maß an Abhängigkeit der betroffenen Person.

“Hands-free” Steuerung von Rollstühlen mit Smart Glasses

Das Team von GLASSCHAIR löst dieses Problem, indem es eine Google Glass Applikation inklusive zugehöriger Hardware entwickelt hat, die eine Steuerung von Rollstühlen ausschließlich über Kopfbewegungen ermöglicht. 

GLASSCHAIR ist dabei kompatibel mit gängigen Rollstuhlmodellen namhafter Hersteller. Ohne Modifikation am Rollstuhl wird der entwickelte Adapter an Schnittstellen für externe Steuerungsmodule angeschlossen und kann nun Bewegungsdaten des Kopfes über Bluetooth empfangen, die von der Google Glass Applikation erfasst und ausgewertet werden. Im Anschluss werden die Daten in entsprechende Steuerungssignale für den Rollstuhl umgewandelt.

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Die Steuerung ist intuitiv und individuell anpassbar konzipiert, was den Lernprozess unterstützt. Durch die Verwendung von Bluetooth können außerdem Probe- und Übungsfahrten durchgeführt werden, ohne selbst in dem von GLASSCHAIR gesteuerten Rollstuhl zu sitzen. Zum einen werden so Risiken, die durch erstmaliges Anwenden neuer Steuerungssysteme bestehen, minimiert. Zum anderen reduziert sich der bei potentiellen Händlern auftretende Mehraufwand bei Probefahrten. 

Ein weiteres Feature zur Unterstützung der Sicherheit ist die durch Sprachbefehl anwählbare Emergency Funktion. Hierbei kann eine für Notfälle ausgewählte Person umgehend kontaktiert und anhand der Geolokation auf den aktuellen Aufenthaltsort der Person aufmerksam gemacht werden.

Ausgehend von der Annahme, dass Smart Glasses in Zukunft eine ähnliche Verbreitung im Alltag wie Mobiltelefone finden, bieten sich weitere entscheidende Vorteile: GLASSCHAIR kann zu einem vielfach günstigeren Endkundenpreis als konventionelle Kopfsteuerungen angeboten werden, da außer dem Adapter keine zusätzliche Hardware benötigt wird. Des weiteren können so mit nur einem Gerät zahlreiche weitere Features wie eine barrierefreie Navigation oder eine Verbindung zur Heimautomation durch die Verwendung des Bluetooth 4.0 Standards in GLASSCHAIR eingebunden werden. 

Gemeinsam mit einem angenehmen und modernen Bedienkonzept bieten sich somit entscheidende Vorteile, gemessen an aktuellen Lösungen auf dem Markt, die den Einsatz von Händen ebenfalls vermeiden, jedoch dezidierte und kostenintensivere Hardware benötigen.

Entwicklung unter reellen Bedingungen

Die größte Herausforderung an der Entwicklung von GLASSCHAIR war das Verknüpfen der völlig getrennten Forschungs- und Entwicklungsbereiche von Smart Glasses und elektrischen Rollstühlen. Die Vereinbarkeit beider Gebiete wurde während der spannenden Entwicklungsphase bewiesen und war somit ausschlaggebend für den finalen Prototypen.  

Eine weitere Schwierigkeit bestand darin, einen elektrischen Rollstuhl zur Ausleihe zu erhalten, um Entwicklungen und Tests unter reellen Bedingungen durchführen zu können. Die Bereitstellung erfolgte letztendlich durch den Rollstuhlhersteller Permobil.

Positive Resonanz als Motivation für die Zukunft

Die positiven Reaktionen potentieller Kunden, Unternehmen und technisch interessierter Personen haben die TUM-Masterstudenten Dominik Schniertshauer, Shady Yacoub und Claudiu Leverenz davon überzeugt, GLASSCHAIR auch außerhalb der Universität weiterzuverfolgen und ab sofort unter www.glasschair.de und in Sozialen Medien zu bewerben. 

GLASSCHAIR wird auch bei der “Langen Nacht der Wissenschaften” in Garching am 27. Juni 2015 am Stand des Mobility Services Lab vorgestellt.

 

Ansprechpartner

Neue Einträge oder Änderungswünsche für diese Seite bitte an  webmaster(at)in.tum.de schicken.

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