Ehrendoktorwürde der Technischen Universität Liberec

2000 |

Bulirsch, Roland Zdeněk

Verleihung des Ehrendoktortitels durch die TU Liberec verlesen von Rektor Prof. Lukaš
Übersetzung des tschechischen Textes
Magnifizenzen, Spectabiles et Honorabiles, meine Damen und Herren, Freunde der Technischen Universität Liberec, der Pädagogischen Fakultät — 
Sehr geehrter Herr Stellvertreter des Senats des Parlaments der Tschechischen Republik, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, Eure Exzellenz Herr Botschafter der Bundesrepublik Deutschland:

Gestatten Sie mir, dass ich Ihnen Herrn Dr. Dr. h. c. Roland Zdeněk Bulirsch, Professor der Technischen Universität München, BRD, vorstelle.

Roland Zdeněk Bulirsch wurde im Jahre 1932 in Reichenberg, in einer deutsch-tschechischen Familie geboren; sein Vater war Tscheche, seine  Mutter war Deutsche, aber auch sie entstammte einer tschechisch-deutschen Familie. Die Großtante von Prof. Bulirsch war die tschechische Schriftstellerin Aněžka Čermáková Sluková; folglich ist er ein entfernter Verwandter von Karolina Světlá. Wegen seiner teilweise tschechischen Herkunft durfte er nach dem Jahre 1938 die Schulen nicht besuchen, wo er eine Mittelschulausbildung hätte erwerben können. Im Jahre 1946 wurde seine Familie auf Grund der deutschen Herkunft seiner Mutter in die Westzone des geteilten Deutschland ausgewiesen.

Im Jahre 1951 hat er eine Schlosserlehre, und nach einem dreijährigen Schulbesuch erwarb er das Abiturzeugnis, das es ihm ermöglicht hat, sich an der Technischen Hochschule in München einzuschreiben. Die Diplomprüfung in Mathematik legte er im Jahre 1959 ab, im Jahre 1961 wurde ihm der Doktortitel mit Auszeichnung verliehen, und er habilitierte sich im Jahre 1966.

Seit dem Jahr 1961 ist er an der TH in München tätig. Darüber hinaus dozierte er fünfmal als Gastprofessor auch an der Universität in San Diego, Kalifornien, USA. In Südamerika dozierte er an zwei Universitäten in Costa Rica. Als ordentlicher Professor lehrt er in Deutschland in München und in Köln am Rhein. In München war er zweimal als Dekan tätig, gegenwärtig ist er an der dortigen Universität als Senator tätig. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands machte sich Prof. Bulirsch verdient um  eine erfolgreiche Transformation der akademischen Institutionen der ehemaligen DDR in einem gesamtdeutschen System der wissenschaftlichen Forschungsgemeinschaften.

Prof. Bulirsch befasste sich  als Forschungsmitarbeiter des Instituts für Dynamik und Flugsysteme mit den Anwendungen der Mathematik. Bedeutende Stellen vertritt er in den wissenschaftlichen Gesellschaften: In der DFG (Deutsche Forschungsgemeinschaft), in der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Er leitet vier Projekte eines Schlüsselprogramms, ist Mitglied der wissenschaftlichen Räte  der renommierten Institutionen und Akademien in Bayern, Österreich, in den USA, garantiert die Stiftung für Israel. Er wurde ausgezeichnet  zum Beispiel mit der Medaille für Verdienste durch die Einheit der Tschechischen Mathematiker und Physiker, mit der  Gedenkmedaille  der Karls-Universität, mit dem höchsten Maximilian-Orden für Wissenschaft und Kunst und mit der Liebieg-Medaille. Seit  dem Jahre 1955 hat er 86 wissenschaftliche Publikationen, 20  Fachbuchpublikationen herausgegeben. Die wurden ins Englische, ins Polnische, Italienische und Chinesische übersetzt. Seit dem Jahre 1988 erarbeitete er acht Forschungsberichte; er ist Autor von Drehbüchern zu sieben wissenschaftlichen Filmen; er hielt 64 Vorträge, darunter auch viele populärwissenschaftliche zu den allgemeinen wissenschaftlichen Fragen und ist Mitherausgeber von fünf Fachzeitschriften.

Auch die pädagogische Tätigkeit von Prof. Bulirsch zeichnet sich durch eine hohe Qualität aus. Er erzog 250 Diplomanden, 40 Doktoranden, von denen heutzutage bereits 14 als ordentliche Mathematik-Professoren an den deutschen und ausländischen Universitäten tätig sind.

Prof. Bulirsch unterhält Fachkontakte mit einer ganzen Reihe von tschechischen Mathematikern, so z. B. mit Prof. Nožička. Die Kontakte mit der TU Liberec wurden im Jahre 1994 geknüpft, in den folgenden Jahren hielt Prof. Bulirsch an der TU Liberec Vorträge für breitere Öffentlichkeit, in denen er die Möglichkeiten und Erfolge der Mathematik bei der Verarbeitung der komplizierten Prozesse demonstriert hat.  Eine großzügige Zusammenarbeit wird fortgesetzt, u.a. durch Studien- und Vortragsaufenthalte der jungen Pädagogen von der TU Liberec an der TU München. 
Zwei junge Mitarbeiter von Prof. Bulirsch waren auch an der TU Liberec tätig. Es entfalten sich zur Zeit weitere Möglichkeiten einer fachlichen Zusammenarbeit.

Seine Hingabe an die Mathematik ist vorbildlich. Außerordentlich ist die Aufmerksamkeit, die er den algorithmischen  Aspekten widmet. Die Publikationen, deren Mitautor er ist, kann man gewöhnlich fast unmittelbar zur Vorbereitung der Hochschulvorlesungen verwenden. So wurde zum Beispiel die numerische Mathematik, die er gemeinsam mit Prof. Stoer geschrieben hat, ins Polnische und Italienische übersetzt und stellt immer noch ein Standardwerk  an der TUL dar. Die mathematische Fundierung und das pädagogische Gespür kommen bei den öffentlichen Vorträgen vor sogar fachfremden Hörern zur Geltung. Alle gewinnen dabei eine Vorstellung von der Bedeutung der Mathematik und deren Anwendung in der modernen Gesellschaft.

Prof. Bulirsch spendete den Pädagogen und Studenten unserer Universität insgesamt  8 Computer einer renommierten Marke und 2 hochwertige Drucker. Dem Labor für mathematisches Modellieren der technologischen Prozesse überließ er etliche Bücher und unserer Universitätsbibliothek die fast kompletten gesammelten Werke von J. Kepler.

Zusammenfassung: Prof. Bulirsch ist das Vorbild eines renommierten Fachmanns in Mathematik, eines eingeweihten Vertreters der mathematischen Populärwissenschaft und eines ausgezeichneten Vertreters seiner Wissenschaft, eines schöpferischen Menschen, der weiß, die Ergebnisse seiner theoretischen Forschungen unmittelbar und nutzbringend anzuwenden, eines opferbereiten akademischen Funktionärs und Managers, eines erfolgreichen Pädagogen, einer anerkannten Autorität in der Welt der Mathematik, eines Weltbürgers und Europäers. Es rührt uns, das er in die Liberecer Region zurückkommt, wo sein Weg seiner Ausbildung begonnen hat und wo er jetzt den Ehrendoktortitel entgegennimmt.

Erarbeitet: RNDr. Václav Kazda, CSc., Prodekan Liberec, November 2000