Bauer, Friedrich L.


Am 1. März wurde in San Francisco mit dem „Computer Pioneer Award“ des Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE) der Ordinarius für Mathematik und Informatik an der Technischen Universität München, Professor Friedrich L. Bauer, ausgezeichnet. Er erhielt diesen 'Nobelpreis für Ingenieure', der zuvor unter anderen Konrad Zuse, Niklaus Wirth und Heinz Zemanek verliehen wurde, für die Erfindung des Keller-Prinzips.“ 

Auf das Kellerprinzip stießen Bauer und sein verstorbener enger Freund Klaus Samelson am Beispiel arithmetischer Formeln mit unsichtbarer Klammerung: Eine Rechenmaschine, der man von links nach rechts 3+5*8+4*7 zu lesen gibt, darf nicht mit der Addition 3+5 loslegen; sie muß „3+“ zurückstellen und erst 5*8 berechnen, nach der Regel „Mal bindet stärker als Plus“ oder auch „Punkt vor Strich“. Sie kann aber, nachdem sie 5*8 zu 40 berechnet hat, sogleich die zurückgestellte Addition „3+“ nachholen und erhält 43 als Zwischenergebnis, das wieder zurückgestellt wird, bis 4*7 gebildet worden ist. Dies ist das günstigste Vorgehen nach der Devise: „So wenig als nötig zurückstellen und sobald als möglich nachholen“. Dabei wird das am letzten Zurückgestellte am ersten nachgeholt, und das ist das Kellerprinzip, wobei als Keller ein Speicher bezeichnet wird, in dem auf das zuletzt Gespeicherte zuerst zugegriffen wird.

Das Kellerprinzip hat weitreichende Bedeutung, es fand eine natürliche Ausdehnung auf alle geklammerten Operationsstrukturen und auf alle geklammerten Datenstrukturen; Bauer faßt das unter der Bezeichnung Cellar Principle of State Transition and Storage Allocation zusammen. Das Kellerprinzip wird heute ständig angewendet und hat ebenso die Rechnerarchitektur wie die Programmiersprachen beeinflußt.