GI-Preis

2010 |

Guthöhrlein, Eckhart

Preisstifter und Preisträger des Absolventenfestes 2010

Eckhart Guthöhrlein wurde auf Grund seiner besonderen Studienerfolge mit dem GI-Preis der Gesellschaft für Informatik e. V. geehrt. 

Laudatio:

Unsere Zellen bestehen neben Wasser vor allem aus zehntausenden verschiedener Proteine, die die wesentlichen Reaktionen und Prozesse in der Zelle bewerkstelligen. Für die Regulation der in der Zelle ablaufenden biochemischen Prozesse müssen je nach Situation und Prozess ganz bestimmte Typen dieser Vielzahl verschiedener Proteine miteinander interagieren. Dazu besitzt einer der Interaktionspartner typischerweise eine Erkennungsdomäne, die bestimmte kurze "Lineare Motive" in ihren Interaktionspartnern erkennt. Die Erkennungsdomäne wirkt dabei wie ein Schloss, in das nur ganz bestimmte "Lineare Motive" als Schlüssel hineinpassen. Die Kenntnis dieser Proteininteraktionen ist wichtig, um normale und krankhafte regulative Prozesse in der Zelle besser zu verstehen.

Eckhart Guthöhrlein konnte in seiner Diplomarbeit ein statistisches Verfahren entwickeln, das es gestattet, aus öffentlich verfügbaren, genomweiten Interaktionsdaten auf die Erkennungsmotive zurückzuschließen. In dem wichtigen Modellorganismus Fruchtfliege konnte er beispielsweise 20 Schlüsselmotive identifizieren. Damit ist es auch möglich, neue Interaktionen anhand der Motive vorherzusagen. Als nächstes steht die Identifikation menschlicher Motive auf dem Plan. Entscheidend für den Erfolg von Eckharts Arbeit waren zahlreiche algorithmische Kniffe, die es seiner Methode erlauben, die enorme Anzahl möglicher Motive in kurzer Zeit auf Signifikanz überprüfen zu können. Außerdem war die Entwicklung eines sehr detaillierten statistischen Modells erfolgsentscheidend, das es Eckhart gestattet hat, scheinbar signifikante von echten Motiven zu unterscheiden. Innerhalb weniger Monate ist es Eckhart damit gelungen, weit mehr Motive zu identifizieren, als es bis dato mit bioinformatischen Methoden möglich war.